Sonntag, 7. Februar 2010

Rosenveredelung


Die Veredelung ist eine traditionelle Form der künstlichen vegetativen Vermehrung von verholzenden Pflanzen, wie Rosen- und Obstgehözen. Im Wesentlichen ist es eine Transplantation eines Pflanzenteiles auf eine andere Pflanze. Die Kunst des Veredelns ist schon seit der Antike bekannt und wird seit ca. dem Mittelalter auch in Mitteleuropa angewendet.
So manch einer wird sich fragen, wozu das Ganze? Als erstes fällt mir dazu ein, dass ein Gärtner ja auch Geld verdienen muss. Also sucht er sich Möglichkeiten der Vermehrung, die für ihn wirtschaftlich sind, d.h. Aufwand und Nutzen sind ausgewogen. Man kann mit dieser Methode in einer angemessenen Zeit Rosen (sortenecht) vegetativ vermehren, Unsere Gartenrosen zeigen ja aus Samen gezogen eine starke Merkmalsaufspaltung, lassen sich also durch Samen nicht sortenecht vermehren.
Auch will man schöne Rosen, mit guten Wuchseigenschaften haben, was bei so mancher Edelrose oder Zuchtrose, nicht gegeben ist, obwohl sie schöne Blüten hat aber vielleicht schwache Wurzeln und somit nur kümmerlich gedeiht.
Man kann also über das Veredeln auch die Wuchseigenschaften günstig beeinflussen.
Die professionellen Züchter veredeln ihre neuen Sämlinge direkt im 1 Jahr auf geeignete Unterlagen und verwerfen den Sämling. Das ist natürlich in der Hobbyzucht zu aufwendig. Ein guter Teil der Sämlinge wächst auch auf eigenen Beinen (wurzelecht) sehr gut. Dennoch gibt es etliche, die dahin mickern und ein Upgrade benötigen.

Die am häufigsten angewendete Methode bei der Rosenveredelung ist die Okulation mittels eines T-Schnittes. Hierzu wird am Wurzelhals der Wildrosenunterlage (bei Hoch- und Trauerstämmen entsprechend höher) ein T-Schnitt gemacht, in den dann ein Auge (bei Hochstämmen auch mehrere Augen) der zu vermehrenden Sorte eingesetzt und fixiert wird.

Ein Profi kann das aber besser demonstrieren:

http://www.gartenfernsehen.de/filme/rosen-veredeln-teil-1

......und der zweite Teil:

http://www.gartenfernsehen.de/filme/rosen-veredeln-teil-2

Um es nicht zu vergessen. Mit der Unterlage kann man natürlich auch ein wenig das Wachstum steuern oder auch die Rose an die vorhandenen Bodeneigenschaften adaptieren.

Hier noch eine Zusammenfassung der Heute gebräuchlichsten Okulations-Unterlagen:

Rosa canina, Hundsrose
wohl die älteste Unterlage überhaupt, durch die ”Edelcanina“ Sorten ersetzt und als Unterlage heute nicht mehr gebräuchlicht, lt. Gerd Krüsmann sollte sie aber 1974 noch in Nord Amerika und Kanada Verwendung finden

Rosa canina ”Inermis“, fast stachellos, sehr starker Wuchs mit langen Trieben, mit gutem Wurzelsystem. Lange Veredelungsperiode, kann von Juni bis Dezember veredelt werden, soll aber bei Trockenheit schnell das Wachstum einstellen. ”Kordes Auslese“ ist eine Selektion daraus. Inermis ist mit allen bekannten Rosensorten verträglich, ist jedoch für die Verwendung als Stamm/Trauerrose ungeeignet.

Rosa canina ”Inermis Kordes Auslese“, dieselben Eigenschaften wie ”Inermis“
bevorzugte Sorte der Firma Kordes‘ Söhne, kompakterWuchs, leicht bestachelt.

Rosa ”Laxa“, Korrekter Name: Rosa coriifolia var. froebelii Rehd.
Gute Veredlungseigenschaften, kurzer, aufrechter Wuchs, idealer langer Wurzelhals, gut verträglich mit allen Sorten. Beste Unterlage für Beetrosen, kaum Wildaustrieb, schließt aber früh ab => rechtzeitig veredeln

Rosa canina ”Pfänders“, Beste Bewurzelung von allen Rosenunterlagen , daher auch sehr gut auf leichten Böden. Gute Verträglichkeit mit allen Sorten, beste Unterlage für Stämme. kürzere Veredlungszeit als z.B. Inermis. Frosthart, Wildaustrieb mittelstark.

Rosa multiflora, ”Stachellos“,
starkwachsende Unterlage, auch für allerleichteste Böden geeignet. Gute Verträglichkeit, lange Veredlungzeiten.

Ich zitiere mal Klaus-Jürgen Strobel aus "Alles über Rosen":
"Das ist eine Rosenunterlage, die den aufveredelten Rosen einen extra Wachstumsschub verleiht. Sie wird gern für Beetrosen genutzt, denn sie überträgt die Fähigkeit zur größeren Doldenbildung auf die darauf veredelte Sorte."

Nachzulesen bei:Gerd Krüssmann, The complete Book of Roses, Timber Press 1981 oder die deutsche Fassung "Rosen, Rosen, Rosen"
sowie in der Preisliste der
Baumschule Priebe

noch mehr, jedoch englisch: http://www.heritagerosefoundation.org/4resources/articles/annuals/GriffithBuckRootstocks2.pdf


Ich muß noch erwähnen, daß ich meine ersten Okulations-Versuche letztes Jahr unternommen habe und dabei eine schöne Pleite erlebt hab'. Die Unterlagen (Laxa) hatten schon Anfang September abschlossen, haben also nicht mehr gelöst. Na ja, Lehrgeld muß wohl jeder bezahlen.
Für die nächsten Gehversuche, habe ich Multiflorasamen ausgesät, die jetzt beginnen zu keimen. Mal sehen ob ich das noch durchzieh.
Ein Fachmann empfahl mir nämlich jetzt Canina Pfänders zu verwenden, welche auch gut auf leichten Böden geht. Multiflora soll wohl gerne Ausläufer bilden.

wünsche bestes Gelingen (Happy Okulation)..

Zum Thema Eignung der verschiedenn Unterlagen fand ich noch eine sehr gut Ergänzung (Leseprobe aus: Alles über Rosen. Verwendung - Sorten - Praxis. Klaus-Jürgen Strobel. 2006)

Rosenpraxis

sowie eine schöne Dokumentation von Werner Ruf: Die biologische Kultur der Rose

.............und ein eigener Erfahrungsbericht

......und eine Übersicht der Bayerischen Landesanstalt für
Weinbau und Gartenbau

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